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Ein Licht im Schlund des Molochs Dalnoth

#8349 13 Okt 2013 17:05

  • Christian
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Ein Licht im Schlund des Molochs Dalnoth

PROLOG

Bennic und Torven rannten durch die dunklen Gassen der Stadt Dalnoth und hatten alle Mühe nicht über einen der vielen Pflastersteine zu stolpern, die überall herausstanden und im Mondlicht nur schwer zu erkennen waren. Sie hätten auch die sorgsam instandgehaltenen Hauptstrassen wählen können, aber zu dieser Zeit waren sie von zu vielen betrunkenen oder zwielichtigen Gestalten und zu wenigen Löwengardisten bevölkert und keiner der beiden hatte Lust in noch größere Schwierigkeiten zu geraten. "Meine Mutter bringt mich um.", fliuchte Torven. "Es war Deine Idee!", antwortete Bennic und schon war ihre Unterhaltung beendet.
Sie schnaubten weiter die schmale Gasse, die Windgasse entlang und bogen an deren Ende nach rechts ab, in den Altenberg, eine Strasse, die sie nah an der Patrizierstadt vorbei nach Hause bringen sollte. Die Strasse war besser beleuchtet, denn hier und da gab es eine der uralten Ölllampen, die noch intakt war und ihren Weg in schales künstliches Licht tauchte, ein Licht, welches durch das Glas der Laternen grün schimmerte. Es war unheimlich, aber die beiden Jungen verschwendeten nicht viel Zeit auf ihre aufflackernde Furcht, die Eile trieb sie und mehr als die Geister des Wolfsberges fürchteten sie das Nudelholz ihrer Mütter.
Beide rannten nun noch etwas schneller, als sie hinter sich eine sich näherndes knarrendes und trappelndes Geräusch hörten. Sie blickten sich kurz an, liefen jedoch einfach weiter, bis das Geräusch lauter und lauter wurde. Da blieben erst Bennic, dann auch Torven stehen und blickten den Altenberg hinunter, dorthin, wo sich nun der Lärm langsam näherte. "Ein Karren." stellte Torven fest. Aber Bennic schüttelte den Kopf "Eine Kutsche Torven, nur die Patrizier dürfen nach Sonnenuntergang die Strassen der Stadt befahren." Und während Torven nickte, bog langsam eine Kutsche um die Biegung in der Strasse. Ein schlichtes, nichtsdestotrotz beeindruckendes Gefährt, welches von zwei braunen Dalnother Kaltblütern gezogen wurden, aus deren Nüstern sich heißer Atem in die kalte Nachtluft ergoß. Im grünen Licht des Altenbergs wirkte die Szenerie nahezu gespenstisch und Torven bliebe wie angewurzelt inmitten der Strasse stehen, denn Blick stur auf das Gefährt gerichtet, bis ihn sein Freund an der Hand Griff und hastig von der Strasse zog. Die Kutsche war aus Eichenholz gefertigt, offensichtlich Bockrather Eiche, des besten Holzes seiner Art im Reichsverband, was man an der besonderen, dunklen Färbung erkennen konnte. Der Kutscher war auf die Jungen aufmerksam geworden, also verlangsamte sich Kutsche, während sie die beiden Rumtreiber passierte und den Blick auf ein Wappen freigab, welches die Tür des Gefährtes zierte: Ein Schwert, zur rechten und linken flankiert von einem Wolfskopf. Bennic riss die Augen auf: "Das ist der Generalritter." Er konnte es kaum glauben. Dies war das Wappen des Hauses Pfadwächter. Das Wappen des Generalritters Trajan Pfadwächter, einer Legende. Eines Mannes über den bereits hunderte von Liedern geschrieben wurden. "Quatsch, der Generalritter ist tot.", entgegnete ihm Torven. "Vater sagt, die Kusaren hätten ihn aufgeknüpft, nachdem er den schwarzen Jarl und seine Leibgarde mit Wolfsbann niedergestreckt hat. In der Ebene von Tuva war das." Bennic rollte die Augen: "Dein Vater ist ein einfältiger Schwätzer, jeder weiss doch...". Weiter kam er nicht, denn keine fünf Meter von Ihnen entfernt war die Kutsche plötzlich zum stehen gekommen, und voller Erwartung waren die Jungen verstummt und hielten mit weit geöffneten Augen ihren Atem an, während sich ganz langsam eine der Türen des Gefährtes öffnete.
Heruas trat zur großen Enttäuschung der Jungen kein von unirdischem Licht umkränzter und aus den Heldenliedern entsprungener Titan, sondern ein ältlicher, gewöhnlich wirkender Mann in den grauen Gewändern des Larissäer Ordens, der nun vergnügt wirkend auf sie zuschritt. "Guten Abend meine Herren. Ich hoffe Ihr gestattet mir eine Frage, die mich und meinen Herren gerade beschäftigte, nämlich, was zwei junge Buben zu solch später Stunde allein auf dem Altenweg verloren haben. Es handelt sich nicht etwa um zwei Schurken, die achtbaren Bürgern auflauern, um diese ihres ehrlich verdienten Silbers zu erleichtern?" Etwas verdutzt blickten sich die beiden Jungen an. Es war, wie zumeist, Torven der zuerst Worte fand: "Nein, Bruder, natürlich nicht. Und sogar wenn, wäre es doch ziemlich dumm Euch dass zu sagen. Und wer seid ihr überhaupt?" "
"Oh Verzeihung," antwortete der Mönch sichtlich vergnügt, "mein Name ist Rennard" er verneigte sich elegant "und ich reise mit meinem Herrn."
"Und wer ist Euer Herr?" wollte Bennic wissen, in dem die leise Hoffnung aufflammte er könne nun doch noch einer Legende begegnen.
"Mein Herr ist der Erbe des Hauses Pfadwächter und eben jener schickt mich Euch seine Hilfe anzubieten, sollte es sich bei Euch nicht etwa um Schurken handeln, sondern um zwei Herumtreiber, die den Weg nach Hause suchen. Ist dem so?"
Die Jungen schauten sich kurz an. Diesmal war es Bennic der zuerst sprach: "Ihr wollte uns nach Hause fahren? In der Kutsche? Mit Eurem Herrn?" Dreimal nickte der Mönch: "Ganz Recht junger Mann. Wen habe ich die Ehre ihm anzukündigen?"
"Ich bin Bennic Hufeisen." sagte der eine. "Und ich Torven Schmetterschild." der andere. Und folgten sodann dem Mönch in das grosse Gefährt, mit einer Mischung aus Einschüchterung und Stolz, Neugier und Vorsicht. Das war so furchtbar aufregend.


"Durch Eintracht wächst das Kleine, durch Zwietracht zerfällt das Große." - Sallust, Der Jugurthinische Krieg X,6
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